BELFAST

Die ganze Brexit-Diskussion hat ein Thema wieder in die Öffentlichkeit gebracht, Nordirland und sein blutiger Konflikt. Es sind jetzt mittlerweile über 3 Jahre her, dass ich durch Nordirland reiste. Ich fuhr an der Nordküste der irischen Insel entlang und war begeistert von der rauen Landschaft Antrims. Mein Kopf war aber noch in Belfast. Den Tag davor hatte ich in Belfast verbracht, jener Arbeiterstadt mit einstmals der größten Werft der Welt. Harland & Wolff. Bei H &W wurde die Titanic gebaut, ein Ereignis, welches Belfast immer noch prägt. Im ehemaligen Werftgelände hat man 2012 ein Museum eröffnet, welches einen Besuch wert ist. Belfast zeigt sich als aufstrebende Stadt, ist hip und bietet viel Kultur. Doch das war nicht immer so. Belfast war tot. Die goldenen Zeiten der Industrie gingen nach dem 2. Weltkrieg zu Ende und Belfast hatte darunter zu leiden. Ende der 60er Jahre nahm der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten ungeahnte gewalttätige Züge an. Im Westen der Stadt kann man heute noch die Peace Walls mit Ihren Murals besichtigen. Absperrtore, Stacheldraht und Mauern hinterlassen einen bedrückenden Beigeschmack. Sind die Peace Walls heute eher Touristenattraktion, hatte ich doch irgendwie den Eindruck, sie könnten jederzeit wieder zum Einsatz kommen. Die Trennung ist offensichtlich, erkennbar an den Fahnen die ganze Straßenzüge schmücken. Man respektiert sich zwar, aber mich lässt der Eindruck nicht los, dass das Eis hier ziemlich dünn ist. Belfast hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Eine gebeutelte Stadt, die bessere Zeiten verdient hat. Deren Bewohner aber alles dafür tun, niemand möchte hier alte Zeiten zurück.