DIE GESCHICHTE MEINER FOTOAUSRÜSTUNG ODER FÜR GUTE FOTOS BRAUCH MAN NICHT VIEL

DER WEG DAHIN IST MANCHMAL LANG UND TEUER

Es wird ja immer behauptet, die Fotoausrüstung ist egal. Mittlerweile kann man das bei den Kameras durchaus bestätigen. Es gibt keine schlechte Kamera am Markt. Bei den Objektiven muss man schon differenzierter vorgehen. Trotzdem taucht regelmäßig die Frage nach der verwendeten Technik auf. Ich habe mich entschlossen, hier die Geschichte meiner Fotoausrüstung zu erzählen. Das wird nicht ganz einfach, zumindest mit der zeitlichen Zuordnung und den verwendeten Objektiven, da kommt nämlich einiges zusammen. Auch ich habe viel Geld verbrannt. Doch fangen wir mal von vorn an:

Mitte/Ende der 80er bekam ich immer mehr Lust zu fotografieren. Als Jugendlicher war das Geld natürlich knapp und gute DDR Kameratechnik für mich nicht bezahlbar. Es war irgendeine Kompaktfilmknipse, bestückt mit ORWO Schwarzweißfilm, denn Farbfilm war auch Mangelware. Ab und zu durfte ich auch mal die Exa 1a meines Vaters benutzen. Nach der Wende musste dann was anderes her, so eine Japanerknipse und Farbfilm war endlich zu haben. Mitte der 90er erlosch das Interesse an der Fotografie, andere Dinge rückten in den Mittelpunkt. Ich fotografierte zwar weiterhin im Urlaub, aber das war es auch. Erst 2002 fing das Feuer wieder an zulodern. Ein Arbeitskollege hatte sich eine Canon EOS 3000N zugelegt. Wow, Spiegelreflex, die musste ich auch haben. Am Bajonett steckte ein 28-80mm. Jetzt ging es richtig los mit Bildgestaltung und Motivsuche. Die Fotografie hatte mich. Nach einem guten Jahr genügte die EOS 3000N nicht mehr, aber auch der Brennweitenbereich sollte erweitert werden. Ich entschied mich für die Canon EOS 33V und ein 70-300mm Objektiv. Obwohl digitale Spiegelreflexkameras schon zu haben waren, folgte ich diesem Trend noch nicht. 2005 konnte ich dann doch nicht widerstehen. Da die ganze Sache ziemlich neu für mich war, wollte ich nicht komplett umsteigen und kaufte mir parallel zur analogen EOS 33V eine sogenannte Bridgekamera. Sony DSC F828 hieß das Teil und war zu seiner Zeit recht innovativ. Digital fotografieren bereitete mir keine Problem, das Neue war die Bildbearbeitung am PC. Und doch stieß ich an meine Grenzen, denn mir fehlte der Objektivwechsel an der Sony, den ich aber von meiner analogen EOS 33V gewohnt war.

Also kehrte ich Anfang 2007 auch digital zu Canon zurück. Los ging es mit der Canon EOS 400D, dem Tamron 10-24mm und Tamron 18-200mm. 2008 kam die Canon EOS 1000D mit einem Makroobjektiv hinzu. Jetzt wird es chaotisch. Da ich in der Fotografie meinen Weg noch nicht gefunden hatte, probierte ich viel aus. Was sich wiederum auf meine Objektivkäufe auswirkte. Ich bekomme das leider nicht mehr ganz zusammen. Bis 2018 habe ich Objektive von Canon, Tamron und Sigma besessen. Festbrennweiten, Zoomobjektive, Makroobjektive, auch irgendwann L-Objektive. Die Brennweiten reichten von 10mm bis 400mm. Bei den Kameras ist es übersichtlicher. Die 1000D und 400D habe ich 2010 verkauft und dafür die 50D zugelegt. Das war für mich ein richtiges Arbeitstier, ich habe sie gemocht. Wahrscheinlich die einzige Canon die mich wirklich inspiriert hat. 2013 kam ihr Ende. Durch ein Missgeschick für immer zerstört. Mit ihr ging ein L-Objektiv flöten, das 24-105mm/4. Äußerst ärgerlich, aber es musste weitergehen. Es folgte aus der Not heraus die Canon EOS 60D. Sie hat mich nie im Stich gelassen und trotzdem bin ich im Nachhinein nicht warm geworden mit ihr. Der Wunsch nach Vollformat wurde immer größer und der Rucksack immer schwerer. Ich habe dann 2017 eine Canon EOS 6D gekauft. Ein Jahr später habe ich einen radikalen Eingriff vorgenommen und mich auf das Wesentliche beschränkt. Übrig blieb die 6D, 17-40, 24-70,70-210,50mm.

Mit dieser Ausrüstung konnte ich alles fotografieren, was mir so vorschwebte, ein 35mm kreiste ab und an durch meinen Kopf. Im Jahr 2019 reiste ich im Sommer durch Südfrankreich bei 35°C. Gerade in den Städten kam der Gedanke nach etwas leichteren auf, aber auch die 35mm waren wieder da. Es ließ mich nicht mehr los. Der erste Gedanke ging zur Fujifilm X100F/V. Aber das wäre ja dann ein neues System, obwohl zum wechseln gibt's ja da nichts. Das Objektiv ist fest verbaut. Ein hin und her folgte in meinem Kopf, am Ende entschied ich mich für das Sigma 35mm/1.4 Art. Was für ein Fehler! Taugt das etwa nichts? Ganz im Gegenteil. Klasse Abbildungsleistung, feines Bokeh, erstklassige Verarbeitung. Nach einigen Testaufnahmen, vorallen mit Offenblende, ging es mit in den Sommerurlaub 2020 an die Ostsee. Mit den Bildergebnissen war ich durchaus zufrieden, aber das Teil war groß und schwer. Das ganze Vollformatsystem war schwer, mir verging irgendwie die Lust. Streetfotografie mit diesem Klopper, für mich nicht vorstellbar. Mittlerweile schielte ich auch auf die spiegellosen Canons, aber so richtig überzeugten die mich nicht und das Problem der schweren Objektive blieb. Eine Entscheidung musste her.

 

 

Ich behielt die 6D und die 3 Zoomobjektive, verkaufte das 35mm und das 50mm und holte mir nun doch die Fujifilm X100V für Street und Städtetrips. Ich dachte ich habs nun. Ich wusste nicht was die Fujifilm X100V mit mir macht. Ich hielt sie in den Händen und war sofort begeistert, tolles Aussehen, da kam Freude auf. Ich hatte auch kein Problem mit dem Handling. In den nächsten Monaten war nur die Fujifilm X100V im Einsatz. Kein schweres Schleppen und genau das war das Ende für meine Canon Vollformatausrüstung. Anfang 2021 wurde alles verkauft und es wurde erneut bei Fujifilm investiert. Da ich für die Reisen doch eher auf Zoomobjektive setze, sollte es vom Brennweitenbereich ungefähr der Canonobjektive entsprechen, aber ich wollte keine 3 Objektive mehr. Rausgekommen ist dabei das XF 10-24mm/4 WR und das 18-135mm/3,5-6,3 WR. Da die Objektive stabilisiert sind, entschied ich mich für die XT3, statt der aktuellen XT4. Mittlerweile ist noch eine X-E3 mit dem 35mm/1,4 dazugekommen, die ich gebraucht gekauft habe.                    

Ich wollte ein Kamersystem was mich wieder inspiriert, was man gern in die Hand nimmt. Ist mir mit Fujifilm gelungen. Der Retrostyle begeistert, die Technik ist top und die inneren Werte überzeugen. Ich wollte Gewicht reduzieren. Ist mir mit Fujifilm gelungen. Selbst wenn ich alles im Rucksack habe, ist er immer noch leichter, wie mit der Canonausrüstung. Ich wollte was leichtes für Street. Ist mir mit der Fujifilm X100V und der X-E3 gelungen. Ich habe meine kleinbildaquivalenten 35mm und 50mm. Ich wollte Zoomobjektive die den gleichen Brennweitenbereich abdecken, wie bei Canon. Ist mir gelungen, sogar mit einer Linse weniger. Da ich nicht immer das Neuste genommen habe und auch gebraucht gekauft habe, habe ich Geld gespart und bin dabei auch nachhaltig vorgegangen. Kurz gesagt, ich bin zufrieden. Hat das nun meine Fotografie verändert? Ich denke schon, vorallen die X100V und X-E3. Mit der XT3 und den beiden Zoomobjektive hatte ich das gar nicht vor.

 

Noch ein paar Zeilen zu meinen weiteren Zubehör. Ich nutze noch 2 Stative, ein Manfrotto und ein kleines Sirui. Weiterhin ein Filtersystem von Haida, welches Pol, ND und Verlaufsfilter enthält. Meine Bilder bearbeite ich mit Lightroom. Angefangen habe ich mit Photoshop Elements, dann Lightroom und seit es die Aboversion gibt, nutze ich diese von Adobe. Neu dazugekommen ist, das Programm X RAW Studio, welches ich für die Filmsimulation von Fujifilm nutze. Verstaut wird in einen Lowepro Slingrucksack oder einen stylischen Lederumhängetasche, passend zum Retrolook. In meinem Schrank liegen noch 2 Objektive die ich per Adapter an die Fujifilm X-E3 anbringen kann. Ein Canon FD 28mm/2,8 und ein Pentacon 50mm/1,8 natürlich mit manuellen Focus.