Trollstigen

FASZINATION NORWEGEN

DAS LAND DER TROLLE, FJORDE, GLETSCHER UND DER MITSOMMERNACHT

Atlantic Road

Es gibt einfach Länder, die wurden von der Natur bevorzugt, eins davon ist Norwegen. Diese unbeschreibliche Fjord- und Berglandschaft gibt es wohl kaum ein zweitesmal auf der Welt. Norwegen in einem Ritt komplett zu erkunden, ist sicherlich möglich, aber für mich leider so nicht möglich. Zum Einstieg in dieses Land wählte ich darum erstmal eine Tour durch Mittelnorwegen. Start und Ende waren in Oslo, der nördlichste Punkt Trondheim. Von Berlin ging es direkt nach Oslo. Vom Flughafen Gardermoen ging es über Hamar, entlang des Mjøsa nach Lillehammer und von da weiter durch das Gudbrandsdalen. In Dombås machten wir kurz Rast um dann hinauf in das Dovrefjell zu fahren. Wir hofften auf Elche, Rentiere und vielleicht sogar Moschusochsen. Aber leider war uns dieses Glück nicht vergönnt. Man muss dazusagen, unsere Reise fand im Juli 2018 statt. In ganz Europa herrschte ein Außnahmesommer mit Höchsttemperaturen und Trockenheit. Diese Auswirkungen konnte man auch in Norwegen spüren. Wir hatten perfektes Reisewetter, aber auch 25°C und kaum Regen. Sicherlich auch für die Tierwelt etwas ungewohnt im Norden und so zeigte sich keins dieser Tiere. Trotz dieses warmen Wetters gab es im Dovrefjell Schneereste zu sehen. Der Snøhetta, der höchste Berg im Dovrefjell hüllte sich in weiß. Diese Gegend war schon mal ein Eindruck über dieses Land, ahnte man da aber noch nicht, was uns noch erwarten sollte. Es ging weiter nach Trondheim. Die Sommersonnenwende war zwar schon vorbei, aber in Trondheim konnte man die weißen Nächte noch deutlich genießen. Die Sonne ging zwar kurz unter, um aber gleich wieder am Horizont zu erscheinen. So richtig dunkel wurde es dadurch nicht. Wir übernachteten in Trondheim und so war auch ein abendlicher Bummel bei besten Licht möglich. Am nächsten Morgen machten wir uns in Richtung Hurtigruten-Kai auf den Weg. Mit dem Schiff ging es immer an der Küste entlang, bis nach Kristiansund. Ein interessantes Detail entdeckte ich an Bord, das Schiff wurde in der Werft in Stralsund gebaut. Wir genossen die Schiffspassage und blickte auf die schöne Landschaft. Nach Kristiansund sollte wieder ein Superlativ dieses Landes folgen. Doch zuvor fuhren wir erst einmal durch den Atlantiktunnel, dies allein war schon beeindruckend genug. Es ging dann auf die Atlantik-Road, eine Straße durch ein Schärengebiet, über viele Inseln, verbunden durch acht Brücken. Man fährt faktisch über das offene Meer. Die bekannteste Brücke, mit ihren großen Bogen, ist die Storseisundbrücke. Ein Fotostop war da natürlich Pflicht. Wir hatten in Molde übernachtet und fuhren am Morgen direkt erstmal auf den Varden, um die schöne Aussicht auf die Romsdal-Alpen zu genießen. Der Varden ist der Hausberg von Molde. Das erste Ziel in den Romsdal-Alpen war Trollveggen. Mit 1000 Meter Höhe ist Trollveggen Europas höchste senkrechte und teils überhängende Bergwand. Man steht unten und mag es kaum glauben, das es 1000m sind. Imposant. Zurück und in das Isterdal abgebogen. Am Ende des Tals befindet sich die Trollstigen, eine Passstraße mit elf Haarnadelkurven, 12% Steigung und einer erreichten Höhe von 850m. An dieser Felswand stürzt sich noch der Stigfossen ins Tal. Wir hielten erstmal unterhalb und verschafften uns einen Überblick. Man konnte nur stauen, einfach gigantisch und da sollte es jetzt hochgehen. Nach einer doch recht entspannten Fahrt erreichten wir den oberen Parkplatz. Von dort kann man vor zur Felskante gehen und ins Isterdal schauen. Eine Aussichtsplattform ragt über das Tal und ist im vorderen Bereich nur verglast, nicht jedermans Geschmack. Nach diesem Highlight fuhren wir auf der anderen Passseite etwas sanfter wieder ins Tal, vorbei an Wasserfällen und Fjorden, erreichten wir Ålesund. Stärken, schlafen und Eindrücke verarbeiten, bevor es am nächsten Tag zum Geiranger-Fjord gehen sollte. An diesem Tag hatten wir das erstemal eine komplett bewölkten Himmel. Ist ja für uns Fotografen ideal, denn blauer Himmel kann schnell eintönig wirken. Aber wie tief werden die Wolken hängen? Wird man von oben den Geiranger-Fjord sehen? Egal, los gings. Wir fuhren nach Hellesylt und da ging es auf die Fähre nach Geiranger. Vorbei an den Seven Sisters, den sieben Wasserfällen erreichten wir Geiranger. Es lag nur ein Kreuzfahrtschiff vor Anker, welch ein Glück. Trotzdem ist Geiranger ein reiner Touristenort und völlig überlaufen. Wir machten uns sofort auf den Weg Richtung Dalsnibba. Am Flydalsjuvet wollten wir kurz stoppen und den Blick zurück auf den Fjord bestaunen, keine Chance. Der Parkplatz war voll belegt. Also hofften wir auf den Blick vom Dalsnibba. Die Wolken wurden aber immer dichter und machten die Sicht immer schwieriger. Man musste etwas Geduld haben, bis sich eine Lücke auftat, aber es war möglich. Was hatten wir da für einen Höhenunterschied auf kürzesten Weg überwunden? Wieder ein Gänsehautmoment. 

Es ging weiter, vorbei an schneebedeckten Bergen, blauen Gletscherseen und Wasserfällen. Irgendwann waren die schon gar nicht mehr so interessant, es ist einfach eine Reizüberfutung der angenehmen Art. Wir besichtigten noch eine Stabkirche und fuhren dann in ein typisches norwegisches Holzhotel. Mitten im Nichts, vorn die Straße und hinten einen wunderschönen Wasserfall. Ideal für Langzeitbelichtung. Doch vorher sollte es noch echte Hausmannskost geben. Elchbuletten und fangfrischer Lachs wurden auf getischt. Sowas von lecker. Gut gestärkt, machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg zum Sognefjellet. Der Pass im Jotunheimen erreicht eine Höhe von 1434m. Uns erwartete eine Mischung aus Winter, Frühling und doch war Sommer. Wir sehen den höchsten Berg Norwegens, den Galdhøpiggen 2469m, Gletscher, Bergseen und viele Mücken, unerträglich viele. Aber diese Landschaft macht alles vergessen. Gegenüber vom Fantesteinsvatnet wurde noch Wintersport betrieben.

Galdhøpiggen & Svellnosbreen Gletscher

In Norwegen ist es ein ständiges Auf und Ab. Von Hochebenen runter ins Tal und wieder hoch, entlang an Fjorden, mit der Fähre über die Fjorde und durch Tunnel. Tunnel und nochmal Tunnel. Würde es sie nicht geben, wären die Wege noch weiter und komplizierter. 300m lang oder auch mal 24,5km lang können diese Bauwerke sein. Der längste Tunnel ist der Lærdalstunnel, mit besagten 24,51km. Auf den Weg nach Bergen fuhren wir gefühlt mehr durch Tunnel, wie auf freier Straße. Der Verkehr in Norwegen ist sehr entspannt, selbst in der Hochsaison kaum Probleme und so erreichten wir auch Bergen ohne große Störungen. Bergen ist die zweitgrößte Stadt des Königreiches und es soll die regenreichste sein. Na da würde ich mal sagen, Glück gehabt, blauer Himmel und 25°C. In Bergen war viel los, ist die Stadt doch der Startpunkt der Hurtigruten uund auch viele Kreuzfahrer legen hier an. Wir sahen uns das alte Hanseviertel Bryggen an und bummelten über den Fischmarkt. Fangfrischer Fisch, alles was der Atlantik hergibt, konnte man hier kaufen, vom Lachs bis zum Stockfisch. Nach dem Erkunden von Bergen ging es weiter in Richtung der Hardangervidda. Zuvor hielten wir noch am Steinsdalsfossen, ein Wasserfall den man hintergehen kann. Und noch ein Wasserfall sollte folgen, aber was für einer. Der Vøringsfossen stürzt sich 183m in die Tiefe, der freie Fall beträgt dabei 145m. Wenn man zum Hotel Fossli fährt, kann man über die neugebauten Aussichtsplattformen einen wunderschönen Blick auf den Wasserfall genießen. Der Vøringsfossen liegt direkt am Rande der Hardangervidda, da hinauf fuhren wir nun. Die Hardangervidda ist ein Plateaufjell, die höchste Hochebene Europas. Wir machten einige Fotostopps und genossen die Aussichten bis zum Jotunheimen. Nach einer Übernachtung in Geilo ging es direkt nach Oslo zurück. Nach soviel atemberaubender Natur war nun noch etwas Stadtsightseeing angesagt. Als erstes schauten wir am Holmenkollen vorbei und bestaunten die Schanzenanlage, danach ging es weiter in den Vigelandpark. Ein Skulpturenpark der den Kreislauf des menschlichen Lebens darstellt. Da unser Flieger am nächsten Tag erst gegen Abend nach Berlin ging, blieb noch genug Zeit für Oslo. Ich wollte mir im Rathaus noch meinen Friedensnobelpreis abholen ;) Weiter ging es zur Oper, welche direkt am Hafenbecken erbaut wurde und einen Gletscher darstellen soll. Man kann bis auf das Dach der Oper gehen und hat einen klasse Blick über Oslo. Leider wird in Oslo viel gebaut und Baukräne bestimmen das Stadtbild. Aber zum Relaxen ist die Oper gut geeignet und wird bei schönen Wetter auch rege genutzt.